Lehmhaus des Monats

In unserer neuen Rubrik stellen wir jeden Monat ein Lehmhaus aus Mitteldeutschland vor.

Sie wohnen selbst in einem Massivlehmhaus und möchten es hier vorstellen? Ihr Haus hat eine interessante Geschichte die Sie hier erzählen möchten? Wir besuchen Sie gerne. Kontaktieren Sie uns!


Lehmhaus des Monats Dezember 2022

Ausgezeichnet! - Fachgerecht saniertes Wellerlehmhaus in Leipzig erhält den Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege 2022 der Kulturstiftung Leipzig

Das kleine um 1830 errichtete Tagelöhnerhaus in Wellerlehmbauweise ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude des historischen Ortskerns von Lössnig, heute Stadtteil im Leipziger Süden. Es gehört zum Gelände der Freien Waldorfschule Karl-Schubert und war Teil eines alten Rittergutes, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Mit der behutsamen Sanierung des vom Verfall stark bedrohten Kleinodes in den Jahren 2017 bis 2018, hat die Schule als Bauherrin das Gebäude nicht einfach nur gerettet sondern dem Lehmbau auch denkmal- und materialgerecht wieder ein zweites Leben eingehaucht. Auch in seiner Innenausstattung mit Lehmputzwänden und Naturholzeinbauten bietet es den Schülern heute als Schulcafé ein ausgesprochen angenehmes Ambiente.

In den ländlichen Gebieten im Leipziger Umland finden sich heute noch zahlreiche Massivlehmbauten, die meisten davon in der Lehmwellertechnik errichtet. Dabei wird ein durchfeuchtetes Stroh-Lehm-Gemisch mit der Mistgabel auf einem Natur- oder Ziegelsteinsockel aufgeschichtet. Nach der Trocknung werden die Wände mit einem geraden Spaten abgestochen und die nächste Lage darüber aufgehäuft bis die gewünschte Mauerhöhe erreicht ist.

Im Fall des Tagelöhnerhauses wurde der Sockel aus Ziegelsteinen mit verputzt, sodass er nicht mehr sichtbar ist. Die Außenwände wurden mit Kalk und die Innenwände mit Lehmmörtel verputzt.

Für die vorbildliche Sanierung wurde der Schule als Bauherrin nun im Rahmen der Denkmal-Messe in Leipzig der Hieronymus-Lotter-Preises für Denkmalpflege 2022 der Leipziger Kulturstiftung verliehen. Grund genug für uns das Tagelöhnerhaus auch gleich als Lehmhaus des Monats Dezember zu machen. Das GOLEHM-Bündnis ist hocherfreut, dass das mitteldeutsche Massivlehmbauerbe auf diese Weise nocheinmal positive Aufmerksamkeit erhält.

Bauherr: Karl Schubert Schule Leipzig, Freie Waldorfschule e. V.

Architekt: Hartmut Sebastian Schneider, Leipzig

Tragwerksplanung und Fachplanung Lehmbau: ZRS Ingenieure, Berlin

Ausführung Lehmbauarbeiten: Lovis Lehmbau, Dreiskau-Muckern

Weitere Bilder finden Sie unter Aktuelles.


Lehmhaus des Monats November 2022

Stampflehmscheune in Süßenborn OT Weimar

Auch im ländlichen Raum Thüringens lassen sich viele Zeugnisse des mitteldeutschen Massivlehmbauerbes entdecken. Neben zahlreichen Wellerlehmgebäuden und Bauwerken aus Lehmsteinen, ist hier auch die historische Stampflehm- oder Pisébauweise belegt. An dieser Scheune im Dorf Süßenborn, einem Ort östlich von Weimar, wird die Bautechnik besonders veranschaulicht: über einem Natursteinsockel, der vor aufsteigender Feuchtigkeit schützen sollte, wurde in einer Verschalung aus Holz lagenweise Lehm eingebracht und festgestampft. Hier wurden die einzelnen Stampflagen durch die Einlage von Dachziegelbruchstücken voneinander getrennt. Aufgrund stellenweise noch erkennbarer Putzreste war das Gebäude wohl einst weiß verputzt. Durch das Fehlen der Putzschicht ist die Tragfähigkeit der Wände jedoch nicht gefährdet:

 

auch bei Schlagregen bleiben die Lehmschichten geschützt, da das Wasser an den überstehenden Dachziegellagen abtropft. Der in Fachwerkbauweise errichtete Giebel ist mit recht grob Ziegelsteinen ausgefacht. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die Gefache einst auch mit Lehmsteinen ausgemauert waren und - wie im Fachwerkbau üblich - irgendwann erneuert worden sind.

Mit der Stampflehmtechnik sollte eine höhere Festigkeit des Lehms erzielt werden. Gleichzeitig wurde die Trocknungszeit deutlich verkürzt, da im Gegensatz zum nassen Stroh-Lehmgemisch beim Wellerlehm, nur erdfeuchter Lehm gestampft wurde. Dennoch war die Stampflehmtechnik aufgrund der Holzschalung mit einem höheren Aufwand verbunden und blieb in Mitteldeutschland gegenüber den Wellerlehmbauten auch deshalb in der Minderzahl.


Lehmhaus des Monats Oktober 2022

Lehmsteinscheune in Klosterhäseler, Burgenlandkreis

Gebäude aus massivem Lehm prägen den ländlichen Raum Mitteldeutschlands seit Jahrhunderten. Während der Lehmwellerbau die vorherrschende Massivlehmtechnik in der Region war, sind Bauten aus Lehmsteinen  - also ungebrannten, luftgetrockneten Lehmformsteinen vergleichsweise selten. Viel häufiger finden sich Lehmsteine in Form von Ausfachungen an Fachwerkkonstruktionen. Im Burgenlandkreis im Süden Sachsen-Anhalts - einer Hochburg des Massivlehmbaus - finden sich dennoch einige Zeugnisse dieser historischen Lehmbauweise.

Der vordere Teil dieser großen Scheune in Klosterhäseler ist ein Beispiel dafür, dass auch großformatig mit Lehmsteinen gebaut wurde. Der hintere Teil wurde dagegen ganz traditionell in Wellerlehmbauweise errichtet - die Trennung beider Techniken lässt sich an der veränderten Wandstruktur im Bereich des Fallrohrs der Dachrinne gut erkennen. Die Scheune ist Teil eines großen Dreiseithofes, dessen Gründung vermutlich in das 19. Jahrhundert gelegt werden kann. Da die Wirtschaftsgebäude in der Regel unverputzt blieben, ist die mitteldeutsche Massivlehmtradition an ihnen besonders gut erkennbar und belegt gleichzeitig die hohe Stabilität und Dauerhaftigkeit von Lehmhäusern.


Lehmhaus des Monats September 2022

Vollhardthaus, Dölitzer Wassermühle in Leipzig

Die Dölitzer Wassermühle ist ein denkmalgeschützter historischer Mühlenhof im Leipziger Süden. Zu dem Denkmalensemble, bestehend aus mehreren Fachwerkhäusern aus vier Jahrhunderten, gehört auch das sogenannte Vollhardthaus, ein kleines, in Lehmwellerbauweise errichtetes Massivlehmhaus. Zur Zeit der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) lebte hier der Gerichtsschöffe Gottlieb Vollhardt, nach dem das Lehmhaus benannt ist. Das im 18. Jahrhundert errichtete Haus war bis in die 1980er Jahre bewohnt und wurde in den letzten Jahren durch verschiedene Baumaßnahmen behutsam denkmalgerecht und ökologisch saniert. Die Innen- und Außenwände wurden mit Lehmputz versehen und verstärken so den ganz eignen Charme des Lehmhauses. Heute wird das Haus als Galerie für Fotoausstellungen genutzt. Um den Erhalt der Dölitzer Wassermühle kümmert sich bereits seit 1992 der Verein Grün-Alternatives Zentrum Leipzig e. V.

Auf dem Gelände gibt es zudem auch einen Lehmbackofen der bei Hoffesten und Veranstaltungen angeheizt wird.

Unser Tipp: zum Tag des offenen Denkmals 2022, am 11. September, wird am Vollhardthaus eine Schaubaustelle eingerichtet, in deren Rahmen schadhafte Stellen am Außenputz abgeschlagen und neu verputzt werden. Dabei bietet sich Besuchern die Gelegenheit einem erfahrenen Lehmbauer über die Schulter zu blicken und dabei spannende Einblicke in das Bauen mit Lehm zu erhalten. Zusätzlich können Kinder ihr eigenes Mehl mahlen, Lehm kreativ gestalten oder Lehmziegel herstellen und eine Mühlenrallye über das Gelände machen. Weitere Infos zur Schaubaustelle gibt es auf der Webseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Unsere Empfehlung für einen Besuch vor Ort - nicht nur zum Tag des offenen Denkmals!